Hamburg
Paavo Järvi
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By Peter Krause
The Cincinnati Symphony Orchestra conducted by Paavo Järvi and the pianist Nikolai Lugansky were inspired in Musikhalle.
As everyone knows, Americans teach us what "think big" actually means, even in musical things. They remind us that, occasionally, great actions follow from big thoughts. On Saturday, the Cincinnati Symphony Orchestra delivered two glorious examples of its art at Pro Arte in Musikhalle.
Arguably, the (Cincinnati) Symphony is ranked the second best orchestra south of Lake Erie in the State of Ohio, behind the larger and more prominent Cleveland Orchestra, whose very good sound Christoph von Dohnanyi long boasted to the Hamburg Orchestra.
Whether now the Cincinnati Symphony is ranked third, second, or first place is a pretty old debate. No fundamental debate, however, would occur about differences in art appreciation between the Old and the New World. The ensemble from the middle-sized industrial city on the Ohio River (and seat of the Archbishop) is considered the most German among the American orchestras. The largest group of immigrants to Cincinnati came from our country, and even today they shape the cultural life of the city, with its historic Music Hall, an opera house and the Cincinnati May Festival.
It has to be the American city of music par excellence.
Paavo Järvi is the 12th conductor of the Orchestra, which was founded in 1895. Having the unassuming young maestro with a precise beat is a stroke of luck for the Cincinnati musicians. The musical attitude of the conductor, who comes from the Baltics, moderates the showy brilliance usually so typical of American orchestras. It is so seldom that one hears the opening of Schubert's "Great" C-Major Symphony, with its romantic theme in the horns shaded so warmly and built so intelligently from the almost imperceptible.
Järvi sensitively explored the balance between collective sounds and the unfolding of individual sounds of each musician. In particular, the woodwinds were exquisite examples of this and were able to add striking accents with concise personalities. The orchestra sounds were chamber music-like, with clearly audible details and wonderful variations in tone colors. It was Schubert played at its finest, both profound and free-moving.
Nikolai Lugansky
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He uncovered precious sounds of longing, lyrical meditations, and Rachmaninoff's impressionist magic, accompanied by an effective embrace of the pianistic exuberance of the opus. Lugansky demonstrated his singular status as a powerful player with technical virtuosity, and as a poet with sublime pianistic feelings.
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Die Welt
Hamburg
Gross Gedacht, Riesig Gemacht
Von Peter Krause
Das Cincinnati Symphony Orchestra unter Chefdirigent Paavo Järvi und der Pianist Nikolai Lugansky begeisterten in der Musikhalle
Amerikanische Dimensionen lehren uns bekanntlich auch in musikalischen Dingen, was "think big" eigentlich heißt, und sie erinnern uns daran, dass großem Denken gelegentlich auch große Taten folgen.
Wohl ist das Cincinnati Symphony Orchestra, das am Sonnabend zwei glorreiche Beispiele seiner Kunst bei Pro Arte in der Musikhalle abgab, ja nur das zweitbeste Orchester im südlich des Eriesees sich ausbreitenden Bundesstaats Ohio, dennoch lässt es, im Rang hinter dem größeren und prominenteren Cleveland Orchestra stehend, dessen sehr guten Ton Christoph von Dohnányi lange angab, Hamburgs Orchester, ob nun das dritt-, zweit- oder erstplatzierte, doch ziemlich alt aussehen.
Dabei wollen wir hier keine grundsätzliche Wertungsdebatte zwischen dem Kunstverständnis der Alten und der Neuen Welt eröffnen, der Klangkörper aus der mittelgroßen Industriestadt mit Erzbischofssitz am Ohio River gilt ja ohnehin als der "deutscheste" unter den amerikanischen Orchestern. Die größte Gruppe von Einwanderern stammt schließlich aus unseren Landen und prägt bis heute auch das kulturelle Leben einer Stadt, die mit ihrer historischen Music Hall, einem Opernhaus und dem Cincinnati May Festival auch musikalisch sehr gut aufgestellt ist, ohne sich deshalb gleich als die amerikanische Musikstadt schlechthin geben zu müssen.
Der 12. Chefdirigent des 1895 gegründeten Orchesters ist Paavo Järvi. Der bescheiden auftretende, präzise schlagende und dabei maximale orchestrale Differenzierungen auslösende junge Maestro erweist sich als ein Glücksfall für die Musiker aus Cincinnati.
Denn die genuin musikantische Haltung des Balten federt die für amerikanische Orchester sonst so typische protzende Brillanz stets geistvoll ab. Schon die gelöst ausmusizierte langsame Einleitung von Schuberts "Großer C-Dur-Symphonie" mit ihrem romantisch erhabenen Hörnerthema hört man auch hierzulande selten so warm schattiert und so intelligent gebaut in den fast unmerklichen, weil dynamisch so sensibel austarierten Steigerungen.
Järvi lotet die Balance zwischen kollektiver Klangvision und individueller Entfaltung des Charakters eines jeden Musikers wunderbar aus. Insbesondere die Holzbläser gaben exquisite Beispiele dafür, mit welch behutsam gesetzten Akzenten sich prägnante Persönlichkeiten in den im großen Bogen phrasierten Klangfluss des Orchestertutti einzubringen vermögen. Kammermusikalisch durchhörbare Detailverliebtheit, herrliche Variabilität der Klangfarben und prachtvolle Eleganz spielten in dieser zugleich tiefschürfenden wie leichtgängigen Schubertsicht aufs feinste zusammen.
Als idealer Partner von Dirigent und Orchester hatte sich zuvor schon Solist Nikolai Lugansky erwiesen. Der 1972 in Moskau geborene Pianist erinnerte in Rachmaninows "Drittem Klavierkonzert d-moll" an die größten Zeiten der russischen Musiktradition.
Denn dem, so Artur Rubinstein, "Konzert für einen Elefanten" näherte sich Lugansky einem Elfenkönig gleich, schlich sich sanglich beflügelt in die überbordenden Einsätze, entdeckte all die kostbaren Sehnsuchtstöne, die lyrische Versponnenheit, den impressionistischen Zauber Rachmaninows, um danach effektvoll dem pianistischen Überschwang des Werks zu huldigen.
Als Kraftwerker der virtuosen Attacke und Poet des sublimem pianistischen Gefühls zugleich bewies Lugansky seinen singulären Rang.